Hannover

Hannover: Haftstrafe für „Reichsbürger“

Zugegeben, für einen Journalisten, der sich ganz bestimmt nicht ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, ist es schwer die „Feinheiten“ des „Reichsbürgerwahns“ nachvollziehen zu können. Spielen hier doch auch viele Richtungen gemeinsam und sucht man sich -wenn alle anderen „Tricks“ erfolgreich gescheitert sind, dann den nächsten „Notnagel“.

Zum „Reichsbürgerwesen“ gehört es durchaus auch -vor allem wenn man vorher mit allem gescheitert ist- einen übertriebenen „Gotteswahn“ zu betreiben. Wenn UCC, ICC, OPPT, Völkerrecht und Hager Landkriegsordnung, SHAEF-Gesetze und was sie sonst noch alles in ihren wirren Köpfen rumschwirrt, nichts mehr helfen, dann bleibt nur noch: Die Bibel, Naturrecht und „göttliche Gesetze“.

So ist auch Ralf mit und bei allen „Reichsbürgerbewegungen“ zwischenzeitlich gescheitert und da der Kaiser nicht helfen kann, muss es eben Gott tun.

„Schon bei der Feststellung der Personalien offenbarte der in Oberricklingen wohnende L. eine eigenwillige Denkungsart. Er sei Diplom-Religionspädagoge, derzeit arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger, der „Deutscher in Verdacht“ sei. Seine Staatsangehörigkeit, behauptete der 48-Jährige, sei nie festgestellt worden – allerdings hat der gebürtige Hannoveraner einen deutschen Personalausweis. Auf einen kruden Mix aus Reichsbürgernähe und Religiosität wiesen auch zwei Abzeichen hin, die der Mann mit der Halbglatze und dem Vollbart am Revers trug: eine Preußenkrone und ein Kreuz.

Der sehr beredt auftretende Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, bestritt die Tatvorwürfe im Grundsatz nicht. Dass der Holocaust an sechs Millionen Juden laut der dubiosen Internetplattform „Renegade Tribune“ eine „Falschmeldung“ sei, hatte Ralf L. im August 2017 auf seiner Facebook-Seite mit dem Ausspruch „Ach was“ und sechs Smiley-Symbolen kommentiert. Drei Wochen später teilte er einen Beitrag des rechtsextremen Portals „Morbus Ignorantia“, dass während der Herrschaft der Nationalsozialisten „nur“ 135.000 Juden ermordet worden seien, mit dem Spruch „Zahlenspiele?“ und einem grünen Smiley. Das Herunterspielen der Opferzahlen in der HAZ bezog sich auf eine Facebook-Diskussion im Dezember 2017, die auf einem Bericht zur Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem beruhte. Seinen Beitrag hatte L. mit dem Satz beendet: „Der Herr segne und beschütze Dich und unser Deutsches Volk und Vaterland.““

Gut, dass sich die Richter nicht beeindrucken ließen.

sonnenstaatland

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Deine sympathische Anti-Kommissarische Reichsregierung seit 1871 aus dem Herzen Berlins.